Das MDA Framework: Ein Werkzeug für bessere Gamification

Allgemein, Serious Games, Theorie

Gute Gamification passiert nicht zufällig.

Wer Menschen spielerisch motivieren möchte, braucht mehr als Punkte, Ranglisten oder Abzeichen. Erfolgreiche Gamification basiert auf einem tiefen Verständnis davon, wie Spiele wirken, wie sie Emotionen erzeugen und wie sie Verhalten beeinflussen. Hier kommt das MDA Framework ins Spiel. Es dient als analytisches Modell, um Spielsysteme zu untersuchen und bewusst zu gestalten.

Was ist das MDA Framework?

Das MDA Framework wurde 2004 von den Game-Designern Robin Hunicke, Marc LeBlanc und Robert Zubek entwickelt. Ziel war es, ein gemeinsames Vokabular für Game Designer zu schaffen, um Spiele besser analysieren und entwickeln zu können. Bis heute gilt das Modell als eines der wichtigsten theoretischen Werkzeuge im Game Design – und ist auch für die Konzeption von Gamification äußerst wertvoll.

MDA steht für Mechanics, Dynamics und Aesthetics. Das Modell unterteilt Spiele in drei miteinander verbundene Ebenen, die unterschiedliche Perspektiven auf ein Spielsystem eröffnen. Dabei beschreibt jede Ebene einen anderen Aspekt des Spielerlebnisses – von den technischen Regeln bis hin zu den emotionalen Reaktionen der Spielenden.

Dafür steht M.D.A.:

  • Mechanics = Mechaniken: Mechanics bezeichnen die konkreten Regeln und Systeme eines Spiels. Dazu gehören Punkte, Level, Ressourcen, Zeitlimits oder Fortschrittssysteme. Mechanics sind das, was Designer aktiv gestalten und programmieren.
  • Dynamics = Dynamiken: Dynamics entstehen durch das Zusammenspiel dieser Regeln im laufenden Spiel. Sie beschreiben das Verhalten, das sich aus den Mechanics ergibt – etwa Wettbewerb, Kooperation, Risikoabwägung oder strategisches Denken.
  • Aesthetics = Erleben: Aesthetics beziehen sich auf die emotionalen Erfahrungen der Spielenden. Also das, was die Spielenden fühlen: Spannung, Neugier, Stolz, Zugehörigkeit oder auch Überraschung.

Der Entwurf eines Spiels beginnt mit den Mechaniken – also seinen Bausteinen. Die Dynamiken entstehen erst durch das Spielverhalten und sind dadurch teilweise schwer vorhersagbar. Die letzte Ebene des Spiels ist das emotionale Erleben – also das, was die Spielenden tatsächlich fühlen. Das Entscheidende ist dabei die Perspektive: Designer denken von den Mechanics aus, Spielende erleben jedoch zuerst die Aesthetics. Zwischen beiden liegt die Ebene der Dynamics, die als Bindeglied fungiert. Wer also Spannung, Neugier oder Ehrgeiz auslösen will, muss wissen, wie das erreicht werden kann.

So stellen sich Fragen wie:

  • Welche Gefühle will ich mit dem Spiel hervorrufen?
  • Was führt dazu, dass Spielende so fühlen?
  • Welche Spielregeln stecken dahinter?

 

Vorteile des MDA Frameworks

Das MDA Framework bietet viele Vorteile bei der Entwicklung von Gamification-Projekten. Es unterstützt dabei, Spielsysteme klarer und gezielter zu planen. Gleichzeitig hilft es auch bei der Analyse bestehender Anwendungen, um deren Wirkung besser zu verstehen und weiterzuentwickeln. Durch seine klare Struktur gibt das Modell kreativen Ideen einen festen Rahmen. So lassen sich Konzepte leichter entwickeln und gezielt umsetzen. Dadurch ist das Framework vielseitig einsetzbar – ob in der Bildung, im Arbeitsumfeld oder im Marketing.

Mehr zu Gamification:

Grenzen des MDA Frameworks bei der Spieleentwicklung

Trotz der klaren Struktur gibt es in der Praxis Herausforderungen. Denn: Menschen verhalten sich unterschiedlich. Eine Mechanik wie eine Rangliste kann in einer Gruppe für motivierten Wettbewerb sorgen – in einer anderen für Frust.

Nicht alle Dynamiken lassen sich vorab genau planen.

Außerdem ist das emotionale Erleben – also die Aesthetic – sehr subjektiv. Was eine Person spannend findet, ist für eine andere langweilig. Das Modell bietet keine Anleitung dafür, wie man möglichst viele Spielertypen gleichzeitig anspricht.

Ein weiterer Punkt: Wer sich nur auf die Mechaniken konzentriert, vergisst leicht das Gesamtbild. Ein Spiel kann gut gebaut sein – aber trotzdem langweilig wirken. Erst das Zusammenspiel von Technik und Gefühl macht gute Gamification aus.

 

Unsere Pfeffermind Methode besteht aus Briefing, Research, Conclusion, Ideation, Elaboration und Testing

MDA in der Praxis: Zwei Beispiele aus unseren Projekten

Ein Spiel mit interessanten Mechaniken ist unsere Instagram-Challenge für die Bundesbank. Um junge Leute für IT-Berufe zu begeistern, entwickelten wir einen interaktiven Comic auf Instagram. Jeden Monat gab es ein neues Rätsel, das Aufgaben aus dem Arbeitsalltag zeigte. Die Mechaniken bestanden aus Bildhinweisen und Aufgaben. Daraus entstanden Dynamiken wie ein starkes Gemeinschaftsgefühl oder der Wunsch, schnellstmöglich alle Aufgaben zu lösen. Das Erlebnis war geprägt von Neugier, Stolz und Spaß.

Kampagne mit Comic-Design vermittelt Finanzwissen über Social Media.

Beim Finance Escape Game Nova Nexus für Bosch ging es darum, trockene Finanzthemen spannend zu erklären. In einer futuristischen Welt gab es klassische Escape-Rätsel zu lösen. Außerdem herrschte Zeitdruck, weshalb Teams konzentriert zusammenarbeiten mussten, um alle Aufgaben rechtzeitig zu schaffen. Die Dynamik: Zusammenhalt auch im Stress! Die Spielenden hatten Spaß daran, Rätsel zu lösen – und verstanden dabei die Bedeutung komplexer Begriffe aus dem Finanzbereich.

Gamification-Interface in

Fazit

Die beiden Beispiele zeigen, wie vielseitig das MDA Framework ist. Es lässt sich auf Social Media Formate genauso gut anwenden wie bei einem digitalen Escape Game und ist ein nützliches Werkzeug für die Entwicklung von Spielen und gamifizierten Anwendungen.

Das MDA Framework bietet eine klare Struktur – vom Spielsystem bis zum Erlebnis. In der Umsetzung braucht es aber weitere Methoden, wie Tests mit der Zielgruppe oder eine genaue Analyse der Bedürfnisse, um tatsächlich die geplanten Dynamiken zu erzeugen. Denn gute Gamification entsteht, wenn Struktur und Emotionen beim Spielen die gleiche Sprache sprechen.

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