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Eine Frage so alt wie die Menschheit: Warum spielen wir? Eine scheinbar nutzlose Tätigkeit und doch jeder tut es, auch die Tierwelt. Ob im kleinen Rahmen oder im großen, bewusst oder unbewusst. Ob alleine oder in Gesellschaft. Spiel ist ein fester Bestandteil des Lebens und der menschlichen Kultur. Wir beschäftigen uns in diesem Artikel mit verschiedenen Formen von Spiel und auch deren Zweck in Leben und Gesellschaft.

 

Was ist Spielen?

Um sich dem „Warum“ zu nähern, schauen wir erstmal auf das „Was“. Unter dem Begriff „Spielen“ kann sich jeder Mensch etwas vorstellen. Aber bei dem Versuch Spielen zu definieren, fängt es an, kompliziert zu werden. Versuchen Sie es einmal selbst. Beantworten Sie in einem Satz: Was ist die Tätigkeit „Spielen“? Können Sie das?

Wie Sie eventuell merken, ist es nicht so einfach diese Frage präzise zu beantworten. Das haben auch schon andere festgestellt. Folglich existiert aktuell nicht wirklich die eine, allgemein gültige Definition des Begriffes, die als Wahrheit anerkannt und akzeptiert ist.

Der Duden z. B. definiert Spielen wie folgt: „sich zum Vergnügen, Zeitvertreib und allein aus Freude an der Sache selbst auf irgendeine Weise betätigen, mit etwas beschäftigen„. Das ist zunächst einmal nicht sehr eingängig. Jedoch stecken in dieser Definition viele Eigenschaften, die wir uns genauer ansehen können. Rolf Oerter, Psychologe und emeritierter Professor für Entwicklungspsychologie, definierte Spiel über folgende vier Merkmale, die helfen sich dem „Was“ des Spielens zu nähern:

 

  • Selbstzweck: Handlung um der Handlung willen
    Spielen geschieht freiwillig und verfolgt keinen Zweck (erfüllt aber durchaus einen Sinn!)
  • Realitätstransformation: Wechsel des Realitätsbezuges
    Im Spiel werden alternative Realitäten und Handlungsrahmen geschaffen (Regeln)
  • Wiederholung und Ritual: Spiel ist in allen Formen von Wiederholungen geprägt bis hin zu einem Ritualcharakter
  • Gegenstandsbezug: Spielhandlungen beziehen sich immer auf Gegenstände
    Ob analoger oder digitaler Natur, Spiel hat einen starken Gegenstandsbezug.

Oerter beantwortet die Frage „Was ist Spielen“ also nicht mit „Spielen ist…“. Er geht vielmehr den Weg, zu sagen „Spielen hat folgende Eigenschaften.“ – ein wesentlicher Unterschied. Außerdem umgeht er so den Zwang sagen zu müssen „Spielen ist nicht…“.  Unter anderem deshalb, weil es eben so schwer ist.

Für uns bei Pfeffermind gibt es 5 elementare Bestandteile, die auf jedes Phänomen, das wir als „Spiel“ bezeichnen, zutreffen. Wir nennen es das GRUPP-Schema. Zunächst muss es ein Spielziel (Das „Was?“, Goal) geben. Ebenso benötigt man spezielle Regeln (Das „Wie?“, Rules). Unablässig ist die Unvorhersehbarkeit des Spielausgangs und die dabei empfundene Spielfreude (Das „Warum?“, Unpredictability, Pleasure). Und natürlich brauchen wir einen Spieler, der sich in diesem Szenario betätigt (Das „Wer“, Player).

 

Warum spielen wir?

Die Kindheit ist laut Oerter die wichtigste Spielzeit in der Entwicklung. Aber sie ist in Phasen eingeteilt. Und diese Phasen geben alle unterschiedliche Antworten auf die Frage: Warum spielen wir? Wie sich unsere Lebensphasen wandeln, wandelt sich auch die dominante Spielform. Aber der Sinn und Zweck des Spielens verändert sich. Auch in der Tierwelt lässt sich das gut beobachten. Junge Welpen, die miteinander Raufen, sich gegenseitig durch den Wald jagen oder stundenlang Stöcker zerkauen. Begonnen wird schon im Säuglingsalter.

warum-spielen wir- konstruktionsspiel

Funktionsspiel im Säuglingsalter

  • Das erste Mal schmecken, hören und Strukturen spüren. Aufregend! So lernt der Mensch also seine Sinne und motorischen Fähigkeiten kennen und probiert sie aus. Die neuen Reize, die dabei entstehen, erzeugen Lust. Folglich wiederholt das Baby, es spielt damit und trainiert so ganz nebenbei seine sensomotorische Koordination.

Konstruktionsspiel im Kleinkindalter

  • Wir stellen fest, dass wir Dinge erschaffen können! Und wir setzen uns Ziele. Wir bauen Türme und Gebilde aus Klötzen. Wir lernen unseren Schaffensspielraum kennen und probieren uns aus.

Symbolspiel im Kleinkindalter

  • Fantastisch, die Vorstellungskraft kommt ins Spiel. Wir belegen zum Beispiel einen Bauklotz und andere banale Objekte mit einer eigenen völlig anderen Bedeutung. Die Objekte symbolisieren andere Gegenstände und werden als Nahrung, Fahrzeuge oder Telefone verwendet. Abgeleitet von dem was wir um uns sehen, üben wir hier sozusagen schon einmal für später.

Rollenspiel im Kindesalter

  • Noch ein wenig später wird die Umgebung eingebunden. Wir spielen immer häufiger auch mit anderen Kindern. Im Rollenspiel kommt Mimikry zum Einsatz. D.h. wir haben zu diesem Zeitpunkt schon einiges über unsere Umgebung gelernt und ahmen deshalb nach. Wir spielen Vater-Mutter-Kind oder veranstalten eine Tee Party. Diese Spielform dient der Übung, Aneignung und auch Bewältigung von Erfahrungen.

Regelspiel im Kindesalter (ab 6 Jahren)

  • Jetzt wird es richtig interessant. Last but not least entwickeln wir ebenfalls eine Begeisterung für das Spielen nach Regeln. Vor diesem Alter werden Regeln nicht ernst genommen. In anderen Worten: Es fehlt sozusagen die dem Regelspiel zugrundeliegende Fähigkeit Regeln als Regeln zu verstehen und einzuhalten. In diesem Alter werden Regeln schließlich sehr ernst genommen. Auch wer die Regeln bricht, darf nicht mehr mitspielen – er oder sie ist ja dann auch ein Spielverderber.

Auf diesen Grundformen des Spiels basieren alle späteren Spiele bis ins Erwachsenenalter hinein.

 

Der Sinn des Spielens

Wie wir nun wissen, kann Spielen je nach Lebensphase unterschiedlichen Sinn und Zweck haben. Zum einen entwickeln wir über Spielen Fähigkeiten, die später ganz konkret zum Leben und Überleben gebraucht werden. So übt das Fangenspielen unter Welpen das Jagen, was in der Wildnis zur Nahrungsbeschaffung gebraucht wird. Zum anderen macht das Spiel in Gruppen uns aber auch zu umgänglicheren Wesen, die auch besser in Gesellschaft zurechtkommen.

Katze_spielt

Beobachtungen haben gezeigt, dass Tiere, die nicht früh spielen, sich später ins soziale Abseits begeben. Spielen trainiert außerdem auch den Umgang mit den eigenen Grenzen und den Grenzen anderer. Wenn dieses Training fehlt, fehlt auch praktische Erfahrung im Umgang mit der Begegnung und Bewältigung von Konflikten – in der Folge fehlt emotionale Intelligenz. Wutausbrüche oder aggressive Impulse sind die Folge.

Außerdem: Wer seine Kräfte und seine Fähigkeiten spielerisch mit anderen erprobt, gewinnt dadurch die nötige Flexibilität, um später in verschiedensten Situationen zurecht zu kommen, so Entwicklungspsychologe Oerter.

 

Warum hören wir nie auf zu spielen?

Nun könnte man sagen: Nachdem wir alles gelernt haben, was die frühen Spielformen trainieren sollen, kann man es doch auch lassen. Oder? Tun wir aber nicht. Denn Spielen hält uns geistig flexibel. Spielen lässt und vom Alltag abschalten und verhilft außerdem zu Entspannung. Außerdem macht es auch einfach Spaß! Und schon Friedrich Schiller stellte fest: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ und dem können wir nur zustimmen.

Quellen: Oerter, R. (2007). Zur Psychologie des Spiels. Psychologie und Gesellschaftskritik, 31(4), 7-32

 

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